Gebogenes Holz - Meisterhafte Technik

Stühle von Thonet – Ikonen aus gebogenem Massivholz

Der Erfinder des Bugholzes war Michael Thonet (1796-1871), dessen geschichtsträchtiger Kaffeehausstuhl 214 und weitere Sitzmöbel immer noch im traditionellen Verfahren hergestellt werden. Original Stühle sind an dem eingebrannten Thonet-Siegel mitsamt Jahreszahl der Herstellung unterhalb des Sitzes zu erkennen. Das Bugholz leitete die Ära der industriellen Herstellung von Stühlen ein. 36 Kaffeehausstühle konnten in einer Kiste von einem Kubikmeter untergebracht werden – natürlich nur in Teilen, die vor Ort montiert wurden. Der Kaffeehausstuhl von 1859 wurde bis zum Jahr 1930 insgesamt 50 Millionen Mal verkauft; der Stuhl mit Ikonenstatus wurde bis nach Fernost verkauft und ist somit ein Welt-Bestseller. Den Bugholzstuhl gibt es mittlerweile nicht nur mit Sitzgeflecht, sondern in unterschiedlichsten Varianten in Material, Farben und Polsterung mit Stoffbezug oder Leder. Neben dem Kaffeehausstuhl gibt es noch weiter Designklassiker, den THONET S 209 mit angedeuteten Armlehen, und den THONET 118 aus Buche, dessen Design an den berühmten Frankfurter Küchenstuhl angelehnt ist. Thonet ist bis heute ein international aufgestelltes Unternehmen und Familienbetrieb, der in Deutschland produziert.

Bugholz - eine moderne Erfindung aus dem 19. Jahrhundert

Die Technik des Holzbiegens wurde von Michael Thonet entwickelt; sie beinhaltet das Verbiegen von Holz durch Dampfeinwirkung und anschließender Trocknung in einer Metallform. Durch diesen Prozess wird das gebogene Holz dauerhaft formstabil. Die Thonet Bugholzstühle und andere Produkte sind in den Designmuseen der ganzen Welt ausgestellt.

Holzstühle aus dem Bauhaus

Knapp 100 Jahre später entwarf Marcel Breuer (1902-1981) Stühle aus Holz. Breuer wurde bekannt für seine Stahlrohrmöbel; tatsächlich entwarf er 22-jährig bereits zahlreiche extravagante Holzstühle. Das Gesellenstück des Dessauer Tischlerlehrlings ist der „Toilettentisch der Dame“ für das Musterhaus Am Horn. Breuer entwarf auch avantgardistische Holzmöbel wie den Afrikanischen Stuhl und leitete die Möbelwerkstatt in Dessau von 1925 bis 1928. Dort entstanden auch die berühmten Freischwinger und der B3 Club Sessel, besser bekannt als Wassily Chair von 1925. Neue Formen, schlichte Funktionalität und ungewöhnliche Materialien sicherten Breuer einen Platz in der Designgeschichte des 20. Jahrhunderts.

Auf Biegen und Brechen in den USA

Midcentury Design: nicht nur in Deutschland, auch in den USA wurde experimentiert. Das Ehepaar Charles (1907-1978) und Ray Eames (1912-1988) entwickelte Stühle für die Nachkriegszeit, die kostengünstig für eine breite Bevölkerungsschicht konzipiert waren. Obwohl die beiden Designer vorwiegend mit Kunststoff experimentierten und eine Reihe von Eames Fiberglass Chair für die Firma Vitra schufen, gibt es eine Designikone in Holz und Leder, den luxuriösen Drehstuhl Vitra Lounge Chair von 1956, bei dem auch die von den Eames entwickelten Shock-Mounts (Gummi-Metall-Verbindungen) für mehr Sitzkomfort eingesetzt wurden. Auch der berühmte Vitra La Chaise und der Rocking Armchair Rod Base (RAR) besitzen Kufen aus gebogenem Holz.

Holz mit Format

Holz ist ein nachwachsender Rohstoff und jedes Möbel aus Holz ist ein Unikat; deshalb erfreuen sich Möbelstücke aus Holz großer Beliebtheit. Um Holz in gewünschte Formen zu bringen, wird viel Erfahrung benötigt, weil dieser natürliche Werkstoff individuell ist und sich ebenso verhält. Das Material kann auf Spannung gebogen werden, wie beim gleichnamigen Bogen. Üblich ist die Benutzung von Feuchtigkeit (Wasser) und Wärme (Wasserdampf), wie bei den berühmten Bugholzstühlen, die ihren Namen von den gebogenen Hölzern haben. Mit Wasserdampf kann auch Schicht- und Formsperrholz in eine gewünschte Form gepresst werden. Gut geeignet ist das Holz der Buche, es ist zäh und kurzfaserig. Buchenholz arbeitet, dehnt sich aus und zieht sich wieder zusammen. Deshalb wird ein geleimter Furnierstapel mit 300 Tonnen Gewicht gepresst. Das schönste Furnier bildet die erste Schicht.

Ausblick für die Holzverarbeitung in 2020

Neue Verfahren für gebogenes Holz: Moderne Einschneidverfahren (parallele Schnitte in gleichmäßigem Abstand) machen das Holz sehr flexibel und verleihen ihm einen textilen Charakter – der Nachteil dieses Verfahrens ist, dass die Stabilität des Materials geringer wird. Ganz neu auf dem Markt ist 3-D-Furnier: Wenn das Holz fünf Minuten lang 100 Grad Wärme aussetzt wird, entsteht ein Gewebe, dass sich dreidimensional verformen lässt, dünne Streifen die mit Heftfäden stabilisiert werden.


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