Frauen im Design

Frauen im Design – der lange Kampf um Gleichberechtigung bis zur Gegenwart

Es gab und gibt sie tatsächlich, die Gestalterinnen von Möbeln, Industrieprodukten und Architektur. Frauen haben zu der Entwicklung des modernen Designs beigetragen, ihre Arbeit wurde aber selten gewürdigt. Häufig wurden die Frauen in der Geschichte des Designs auch komplett verschwiegen – deren Partner oder Ehemänner schrieben sich häufig den Erfolg der Designerinnen auf ihre eigene Fahne.

1920-er Jahre: Bauhausfrauen schrieben Designgeschichte

Mit der Weimarer Republik erhielten Frauen das Wahlrecht und die Lehrfreiheit. Als der Architekt Walter Gropius im Jahr 1919 in Weimar das Staatliche Bauhaus gründete, hieß es noch im Programm: „Als Lehrling aufgenommen wird jede unbescholtene Person ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht…“ Gropius fürchtete jedoch um den guten Ruf der Schule und drängte die Frauen in die Weberei. Da die Handweberei als Kunstgewerbe eingestuft wurde, konnte sie als einzige Bauhaus-Werkstatt von einer Frau geleitet werden – Gunta (Adelgunde) Stölzl (1897-1983). Das Thema wurde in dem ARD Film „Lotte am Bauhaus“ aufgegriffen, der das Leben der Lotte Brendel zeigt, die mit den Konventionen bricht, um am Bauhaus tätig zu werden. Heute verbindet man eher die erfolgreichen Männer, wie Mart Stam, Marcel Breuer und Ludwig Mies van der Rohe mit dem Bauhaus.

Bis 1939: Ludwig Mies van der Rohe und Lilly Reich

Ludwig Mies van der Rohe (1886 -1969) prägte die Architektur der Moderne. 1926 wurde der Architekt zum Vizepräsidenten des DWB (Deutscher Werkbund) ernannt und koordinierte ein Jahr später die Werkbundausstellung „Die Wohnung“ in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung. Ein anderer Teil der Ausstellung zeigte die moderne Wohnungseinrichtung unter Leitung der Innenarchitektin Lilly Reich (1885-1947), die als erste Frau auch im Vorstand des Deutschen Werkbunds engagiert war. Wegen des großen Erfolges der Stuttgarter Ausstellung wurden van der Rohe und Reich im Jahr 1929 mit der künstlerischen Leitung der Weltausstellung für Deutschland in Barcelona betraut. Der daraus resultierende Barcelona-Pavillon wurde der Magnet der Weltausstellung und gilt als bedeutendes Bauwerk der modernen Architektur. Der Barcelona-Sessel (MR90) mit dem Untergestell aus gekreuztem Stahl und der eleganten Lederpolsterung ist eine Ikone der Moderne. Er ist nicht mit dem Namen Reich verknüpft, obwohl die Urheberschaft nicht eindeutig ist. Der Chair erinnert an den Wagenstuhl im antiken Rom, der als Statussymbol der Herrschenden galt. Das verschollene Original wurde eigens für das Spanische Königspaar gefertigt. Ludwig Mies van der Rohe emigrierte 1938 in die Vereinigten Staaten, seine Lebensgefährtin folgte ihm ein Jahr später, kehrte aber nach Deutschland zurück. Den Barcelona Chair mit dem passenden Hocker erhalten Sie in Ihrem pro office Shop.

1950-er Jahre: Charles und Ray Eames

Deutlich gleichberechtigter ging es im Hause Eames zu – viele der Designs der 1950-er Jahre sind auf das amerikanische Ehepaar Charles und Ray Eames zurückzuführen und tragen die Namen beider Designer. Allerdings wird der Mann zuerst genannt. Welchen Anteil Ray an der gemeinsamen Arbeit hatte, ist nicht geklärt – vermutlich war sie die Künstlerin und er der Techniker. Ray Kaiser (1912-1988) war Studentin bei Charles Eames, bevor sie seine zweite Ehefrau wurde. Das Paar war sich wohl beim Wettbewerb „Organic Design in Home Furnishings“ des MoMA (Museum of Modern Art) in New York näher gekommen. Gemeinsam experimentierten sie mit Kunststoff und unterschiedlichen Sitzgestellen – es entstanden Plastic und Fiberglas Chairs, die heute noch modern anmuten. Berühmt wurde auch das sogenannte „Eiffelturmgestell“. Legendär ist der Eames Lounge Chair, der aus der Idee eines weichen Baseballhandschuhs geboren wurde. Für das moderne Büro entwickelte das Ehepaar Eames den Schreibtisch Eames Desk und die Regale Eames Storage Unit ESU im besten Midcentury Design.

Frauen und die wilden 1970-er Jahre: Designerinnen und Werke aus Kunststoff

Der Componibili entstand schon im Jahr 1969 und gehört zu den bekannten Möbeln der Firma Kartell. Anna Castelli Ferrieri (1920-2006) hat den Designklassiker mit und ohne Rollen entworfen, der zur ständigen Ausstellung des Museums of Modern Art gehört. Ferrieri (1920-2006) studierte am Mailänder Polytechnikum Architektur. Ihr Ehemann, der Chemiker Giulio Castelli, hatte bereits 1949 die Firma Kartell gegründet, die weltweit führend im Bereich Möbel aus Kunststoff wurde. Der Componibili wird mittlerweile von Kartell auch aus Biomaterial hergestellt und ist als Kartell Componibili Bio im pro office Shop erhältlich. Eher ein Zufallstreffer war der Vitra Uten.Silo von Dorothee Becker, der im Jahr 1970 den Nerv der Zeit traf. Dorothee Becker (*1938) hatte für ihre Kinder einen Ordnungshelfer aus Kunststoff entworfen, der im Jahr 1969 auf der Frankfurter Messe Furore machte. Weitere Produkte von Becker waren weniger erfolgreich, sodass sich Becker für ein Geschäft mit Alltagsdesign entschied, das sie bis 1989 erfolgreich in München führte.

Ausstellung im Vitra Design Museum: „Here We Are! Frauen im Design 1900 - heute“

Mit der Ausstellung „Here We Are! Frauen im Design 1900 - heute“ möchte das Vitra Design Museum in Weil am Rhein die Geschichte von Designerinnen in die Öffentlichkeit bringen und eine Entwicklung aufzeigen. Die Ausstellung ehrt die Gestalterinnen der letzten 120 Jahre und erzählt eine neue Designgeschichte. Präsentiert werden Werke von 80 Künstlerinnen, darunter Vertreterinnen der sogenannten Moderne bis zur zeitgenössischen Kunst von Hella Jongerius. Die Ausstellung zeigt das kreative Schaffen und die Arbeitsbedingungen von Künstlerinnen – angefangen von Eileen Gray bis zur Gegenwart. Eileen Gray entwickelte unter anderem den legendären Beistelltisch Adjustable Table E 1027. Hella Jongerius verwaltet das Farbmanagement der Firma Vitra und entwirft Möbel in ihrem eigenen Studio – im pro office Shop erhalten Sie das Vitra Polder Sofa in erlesenen Farbkombinationen. Die Ausstellungsmacher versprechen, das „moderne Design in einem neuen Licht erscheinen zu lassen“. Das Berufsbild des Designers entstand zur gleichen Zeit, als Frauen sich für mehr politische Mitbestimmung einsetzten. Die Emanzipationsbestrebungen der Frauen spiegelten sich im Design wider, so die Kuratorin Viviane Stappmanns. Die Ausstellung wird von den Kulturstiftungen der Länder und weiteren Sponsoren gefördert und besteht voraussichtlich bis zum 06.03.2022.


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