Die Geschichte des Bürostuhls

Die Geschichte des Bürostuhls

Der Windsor-Stuhl

Mitte des 19. Jahrhunderts saßen die ersten Büroangestellten auf Windsor-Stühlen, ein leichter Holzstuhl, der im frühen 18. Jahrhundert in England entwickelt wurde und bis heute produziert wird. Die Sitzfläche des Stuhls ist der Körperform leicht angepasst, die Stuhlbeine sind gedreht und die Rückenlehne besteht aus Stäben. Manche Windsor-Stühle haben Armlehnen. Dieser erste Bürostuhl verdankt seine Beliebtheit vor allem seiner geringen Holzmenge und seiner einfachen Herstellungsweise mit wenig Werkzeug. Stabilität gewinnt der Stuhl durch die schräg eingesetzten Stuhlbeine mit drei Querverbindungen. Der Stuhl erhielt seinen Namen von der Stadt Windsor, von der aus die Stühle über die Themse nach London und von dort aus weiter exportiert wurden. Der Windsor-Stuhl war der Auftakt der Massenproduktion von Möbeln. Er war relativ preiswert. Ab 1840 gab es in den Vereinigten Staaten die ersten Bürostühle, die sich durch Federn in unterschiedliche Richtungen bewegen ließen.

Entwicklung der Büromöbel durch Arbeitsphilosophie

Die Arbeitsphilosophie von Frederick Winslow Taylor wirkte sich auf das gesamte 20. Jahrhundert aus. Taylor führte über 30 Jahre Untersuchungen in Fabriken durch, um die Arbeitsabläufe zu verstehen. Seine Organisationstheorien veröffentlichte er in seiner Arbeit „Scientific Management“ (wissenschaftliche Betriebsführung). In der Folge wurden aus Arbeitern Spezialisten für genau definierte Handgriffe, der sogenannte Taylorismus. Außerdem empfahl Taylor dem Management den Menschen ihre Aufgaben und Arbeitsabläufe detailliert vorzugeben und deren Durchführung streng zu überwachen. Durch die wissenschaftlichen Erkenntnisse änderten sich die Anforderungen an den Bürostuhl, den Schreibtisch und die Arbeitsplätze allgemein. Hinzu kamen neue Produktionsverfahren, die auch das Design stark beeinflussten. Die ersten Stühle bestanden aus Eisen und Stahl, die Polster bestanden aus mit Rosshaar gefüllten Stoffkissen.

Der erste Kunststoff im Büro

Um das Jahr 1905 entwickelte Leo Hendrik Baekeland das Bakelit, einen duroplastischen Kunststoff, der sich in jede gewünschte Form pressen ließ. Bakelit ist hitzebeständig und kostengünstig. Aus diesem Werkstoff wurden auch Bürostühle hergestellt.

Der Freischwinger – Möbel aus Stahl

Im Jahr 1928 hat Bauhaus Designer Marcel Breuer seinen bekannten Freischwinger als Drehstuhl gestaltet, die Sitzfläche ist auf ein Drehkreuz montiert. Die Freischwinger selber wurden von der Firma Thonet produziert und markieren einen ersten Meilenstein in der Ergonomie – nicht nur bei Bürostühlen.

Werkstoffe und Design nach dem 2. Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden neue Werkstoffe Einzug in die Möbelindustrie, darunter Materialien, mit denen auch die berühmten Designer Charles & Ray Eames experimentierten, Glasfaser, Aluminium und mehrfach verleimtes Sperrholz. In den 1960-er Jahren folgten durch Hitze verformbare Kunststoffe (Thermoplaste) und das Spritzgrußverfahren. Formen wie der ikonische Panton Chair von Verner Panton wurden möglich.

Ergonomische Aspekte

Seit den 1970-er Jahren machen sich Designer zunehmend Gedanken um die Ergonomie. Grundlage waren die Messungen von Henry Dreyfuss „Measure of Man“ von 1960 und „Humanscale“ von Niels Diffrient, die auch die Winkel beim Sitzen zwischen Bein und Oberkörper und zwischen zurückgelehnten und aufrechten Positionen berücksichtigen. Diffrient (1928-2013) inspirierte andere Designer, sich vor dem Entwurf eines Bürostuhls mit den Bedürfnissen des menschlichen Körpers auseinanderzusetzen und alles technisch Machbare umzusetzen. Für sein Werk wurde Niels Diffrient im Jahr 1987 in den Stand eines „Royal Designer for Industry“ erhoben.

Thema modernes Arbeiten – ergonomische Bürostühle, höhenverstellbare Tische

Durch den Siegeszug des Computers seit den 1980-er Jahren entstand die Ideen des papierlosen Büros und des Home Office. Auch innerhalb mancher Unternehmen wird mobiles Arbeiten praktiziert, dort nehmen die Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz eben da ein, wo gerade ein Platz frei ist. Neben dem beliebten Chefsessel sind daher auch Artikel gefragt, die schnell veränderbar sind, wie moderne, ergonomische Bürostühle, Hocker und höhenverstellbare Tische. Seit geraumer Zeit gibt es auch Bürostühle von namhaften Designern mit Lumbalstütze, auch Lordosenstütze genannt, die die Wölbung der Wirbelsäule im Lendenwirbelbereich abstützen. Andere Sitzkonzepte wie der Wilkhahn Stitz setzen auf Mobilisierung der Muskulatur. Durch den Wechsel von Sitzen und Stehen an modernen Steh Sitz Tischen kann die Wirbelsäule zusätzlich entlastet werden. Viele ergonomische und langlebige Büromöbel finden Sie im pro office Shop.

Recycling von Büromöbeln

Namhafte Firmen wie Vitra machen sich auch Gedanken zum Thema Recycling von Büromöbeln und verwirklichen das Prinzip Cradle to Cradle als Ansatz für eine Kreislaufwirtschaft, so sie realisierbar ist. Der Hersteller Vitra bietet sogar Produkte an, die direkt aus Recyclingmaterial hergestellt werden, wie den Tip Ton Re von Edward Barber & Jay Osgerby. Der Wiggle Side Chair von Frank Gehry ist direkt aus Karton hergestellt.

Arbeiten 4.0

Ob wir in Zukunft auch liegend vom Sofa aus oder im Freien arbeiten werden, wissen wir noch nicht. Einige Denkansätze gehen in die Richtung, dass das Arbeiten im Freien den Stromverbrauch senken und die Stimmung heben könnte. Ob Grüne Klassenzimmer in Schulen und Universitäten und das Arbeiten auf Dächern oder auf der Rasenfläche einer Firma Zukunftsmodelle werden, bleibt abzuwarten – eine interessante Vorstellung ist es allemal.

 


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