Mittwoch, 12. Februar 2020

New Work. New Rules. Old Offices? proWi GT lädt zum Impulsvortrag von Steelcase Workplace Consultant Ralf Freter ein

Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft im Kreis Gütersloh "proWi" ist Ansprechpartner bei Standort- und Wirtschaftsfragen und hat sich dieses Jahr zum Ziel gesetzt, mit der Veranstaltungsreihe DIGITAL.bewegt möglichst viele Antworten auf Fragen rund um die Digitalisierung zu klären.

Im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe fand gestern in Kooperation mit pro office Bielefeld in den Räumlichkeiten der Reply AG in Gütersloh die Veranstaltung "New Work. New Rules. Old Offices?" mit Steelcase Workplace Consultant Ralf Freter statt, zu der zahlreiche interessierte Gäste erschienen sind.

Kreativität und Innovation

„Agilität“ – ein Wort, dass derzeit in aller Munde ist. Nahezu jeder hat diese Begrifflichkeit schon einmal gehört und verbindet auch eine Bedeutung damit. Doch selten stellt sich die Frage, was Agilität für den Raum bedeutet. Der Hersteller Steelcase ist überzeugt davon, dass die Zukunft der Arbeit kreativ ist. Unternehmen müssen zunehmend innovativer werden, um sich am Markt durchzusetzen und zu etablieren. Innovationen können dabei bereits die kleinsten Ideen sein, die ein Produkt oder eine Dienstleitung verbessern. Somit sind Ideen die Währung der modernen Ökonomie und der Raum stellt eine wichtige strategische Ressource dar, die für mehr Kreativität und Innovation aktiviert werden kann.

Der Mensch als wichtigste Ressource

Unternehmen müssen sich somit die Frage stellen, wo Ideen in ihrer Organisation entstehen. Nach eingehender Betrachtung wird sich herausstellen, dass es weder modernste Technologien oder Prozesse sind, sondern der Mensch die wichtigste Ressource und Ideengeber ist. Daher ist es Aufgabe einer jeden Unternehmung, den Menschen durch den Raum, in dem er sich befindet, darin zu unterstützen, schneller und besser zu werden.

Ideen entstehen dann, wenn Kreativität gefördert wird. Daher hat sich das Steelcase WorkSpace Futures Team intensiv mit der Fragestellung beschäftigt, was die Kreativität unterstützt. Im Gegensatz zum linearen Arbeiten, wie es häufig bei klassischen Produktionsprozessen vorkommt, ist ein kreativer Prozess nicht geordnet oder planbar. Er ist vielmehr chaotisch und bringt dadurch unterschiedliche Ideen zum Vorschein. Wenn das übergeordnete Ziel daher lautet, schneller zu arbeiten, ist es somit Aufgabe des Unternehmens, Menschen interdisziplinär zusammenzubringen und aus den gewohnten Silos auszubrechen. Dabei sind agile Teams von bis zu acht Personen ideal für einen guten Input. Die Zusammenarbeit ermöglicht es den Mitarbeitern, schneller Ideen zu generieren, diese zügiger zu bewerten und effektiv aus Fehlern zu lernen. Unterschiedliche Methoden wie Design Thinking oder Scrum können dabei unterstützen.

Freies Denken fördern


Die Erkenntnis lautet somit: Freies Denken fördern! Dafür wird jedoch auch ein freier Raum benötigt. Während unser Wohnraum schön längst in spezialisierte Zonen segmentiert ist und es für uns normal ist, in der Küche zu kochen und uns im Schlafzimmer auszuruhen, fällt uns die Übertragung in die Arbeitswelt noch schwer. Hier lautet das Stichwort „Activity Based Working“. Der Ausdruck ist alles andere als neu und gibt bereits seit den 1980er Jahren Aufschluss über die fünf Arbeitsmodi fokussieren, zusammenarbeiten, netzwerken, lernen und regenerieren. Agiles Arbeiten räumt mit dem „Mythos Alleskönner“ und der Annahme, am Schreibtisch alle Arbeiten gleich gut durchführen zu können, auf. Stattdessen bedarf es an Zonen für einzelne Bereiche, die unter der Fragestellung, was Menschen brauchen, um ihr volles Potential zu entfalten, eingeführt werden. Dabei spielt das persönliche Wohlbefinden eine wichtige Rolle.

Arbeitsplatz vs. Arbeitsort

Eine moderne Arbeitswelt ist ein Ökosystem von Arbeitsorten, welche die Körperhaltung, Privatsphäre und Präsenz berücksichtigen und Lösungen für fokussiertes Arbeiten und belebte Zusammenarbeit anbieten. Dabei stellt das Büro nur einen möglichen Arbeitsort dar, denn auch Zuhause oder an anderen Orten, wie im Hotel, im Zug oder im Café, kann heutzutage effektiv gearbeitet werden. Das Office wird somit von der Location zur Destination, in die man geht, um vor allem den physischen Austausch mit Kollegen zu erleben.

Zieht man all diese Aspekte des modernen Arbeitens in Betracht, stellt sich abschließend die Frage, was den Menschen motiviert. Das Ergebnis haben unterschiedliche Studien zum Vorschein gebracht: Je höher der Grad an Selbstbestimmung, desto größer auch das persönliche Engagement. Hier können Multi-Purpose-Räume langfristig die Lösung darstellen. Auch die drei Megatrends Fachkräftemangel, Globalisierung und Digitalisierung tragen dazu bei, dass die Arbeitsumgebung und die Büroausstattung eine immer größere Rolle bei der Jobauswahl spielen. Und so bietet sich am Schluss das bekannte Zitat von Churchill als Zusammenfassung an: „Zuerst prägen wir den Raum. Dann prägt der Raum uns“.

Wir bedanken uns bei der proWirtschaft GT für die hervorragende Organisation sowie bei Ralf Freter für den spannenden Impulsvortrag.

Fotos: © pro office

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