Bauhaus Design - von Breuer bis Wagenfeld

Bauhaus Design von Breuer bis Wagenfeld

Form follows function: Als Direktor der Großherzoglich-Sächsischen Hochschule für Bildende Kunst in Weimar gab Walter Gropius der Schule im Jahr 1919 den Namen „Staatliches Bauhaus in Weimar“. Er leitete das Bauhaus bis 1926 in Weimar und nach seiner Verlegung bis 1928 in Dessau nach Sachsen-Anhalt. Der Umzug war eine Folge des Politikwechsels in Thüringen mit einer Etatkürzung von 50 Prozent. Stellvertretender Direktor war übrigens der berühmte russische Maler und Grafiker Wassily Kandinsky (1866-1944), der 1922 ans Bauhaus berufen wurde.

Bauhaus Design im Strudel der Politik

Gropius Nachfolger Hannes Meyer (1889-1954) wurde 1930 wegen „kommunistischer Machenschaften“ von der Stadt fristlos entlassen. Der letzte Bauhaus-Direktor war Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969) bis zum Wahlsieg der Nationalsozialisten im Dessauer Magistrat im Jahr 1932. Mies van der Rohe bemühte sich das Bauhaus in Berlin privat weiterzuführen, musste jedoch 1933 nach der Machtübernahme endgültig schließen und emigrierte in die USA. Das Bauhaus war etwas Besonderes, da es Kunst und Handwerk zusammenführte. Die Bauhaus Schule entwickelte sich zur einflussreichsten Bildungsstätte und Avantgarde im Bereich von Architektur, Kunst und Design im 20. Jahrhundert. Ihre Resonanz wirkt bis in die Gegenwart.

Ludwig Mies van der Rohe

Mies van der Rohe war nicht nur Direktor, sondern auch Architekt und Künstler. Zu seinen bekanntesten Entwürfen zählen die Barcelona Liege, der Barcelona Sessel und der Barcelona Hocker, die zu den Designklassikern der späten 20-er bzw. 30-er Jahre zählen (Hersteller Knoll International). Diese Sitzmöbel erhielten ihren Namen von dem Deutschen Weltausstellungspavillon 1929 in Barcelona, wo sie einem begeisterten Publikum präsentiert wurden. Die klaren Formen der Möbel und ihr Materialmix aus Stahlrohr und hochwertigem Leder sorgen für das zeitlos elegante Erscheinungsbild, das Designgeschichte schrieb.

Marcel Breuer

Unter den berühmten Namen, die mit dem Bauhaus verbunden sind, ist Marcel Breuer (1902-1981), der als Erfinder der modernen Stahlrohrmöbel gilt. Nach seiner Gesellenprüfung als Tischler im Jahr 1924 durfte er sich Formmeister nennen und die Möbelwerkstatt leiten. Seine Idee, Stahlrohr für die Konstruktion von Möbeln zu nutzen, war revolutionär und brachte den metallischen Look in die Moderne. Einer unwissenschaftlichen Anekdote zufolge ist Breuer durch einen Fahrradrahmen auf die Idee gekommen, Stahlrohr für den Möbelbau zu verwenden. Die bekanntesten Entwürfe von Marcel Breuer sind die Freischwinger (Hersteller Thonet, 1928-1931) mit den passenden Tischen und der Club Sessel B3, bekannt als Wassily Chair, (Hersteller Knoll International) aus dem Jahr 1925. Die Freischwinger waren nicht nur eine ästhetische Revolution – sie sind die ersten Stühle, die das mobile und ergonomische Sitzen ermöglicht haben. Breuer flüchtete 1933 in die USA, wo er gemeinsam mit Walter Gropius die Architekturfakultät der Harvard University etablierte. Viele bekannte öffentliche und private Gebäude in den USA und Europa wurden mit den Ideen von Marcel Breuer verwirklicht.

Christian Dell

Christian Dell (1893-1974) war gelernter Silberschmied, Industriedesigner und Werkmeister am Weimarer Bauhaus von 1922 bis 1925 in der Metallwerkstatt. Dort arbeitete er auch zusammen mit der Bauhauskünstlerin Marianne Brandt (1893-1983), die 28 Lampenmodelle entwickelte, darunter die Deckenlampe DMB 30 im Jahr 1926 und die Tischlampe Kandem (Nr. 756) aus dem Jahr 1928. Dell blieb nach 1933 in Deutschland und führte nach dem Krieg von 1948 bis 1955 in Wiesbaden ein Juweliergeschäft. Dell entwarf Leuchten, von denen die Serie „Kaiser-Idell“ den höchsten Bekanntheitsgrad erreichte. Die Kaiser Idell Lampen sind Designikonen und werden heute von Fritz Hansen hergestellt.

Wilhelm Wagenfeld

Wilhelm Wagenfeld (1900-1990) war Bauhaus-Schüler und Pionier des Industriedesigns. Seine Entwürfe werden bis heute als Design-Klassiker produziert, darunter die sogenannte Bauhaus Leuchte oder auch Wagenfeldlampe. Nach seiner Lehre zum Industriezeichner und Studium an der Bremer Kunstgewerbeschule, Hanauer Zeichenakademie und Aufenthalt in der Künstlerkolonie Worpswede nahm Wagenfeld ab 1923 an einer Vorklasse im Bauhaus teil und studierte zeitgleich in der dortigen Metallwerkstatt. Dort entstand 1924 der Entwurf für die Leuchten MT 8 und MT 9, die erst 50 Jahre später kommerziell erfolgreich wurden. Die zeitlos schönen Tischleuchten mit der kugelförmigen Glasglocke sind als Bauhaus- oder Wagenfeld-Leuchte bekannt geworden. Durch den Lampenschirm aus Opalglas wird das Licht gleichmäßig verteilt ohne zu blenden. Wie andere Designer des Bauhauses und Mitglieder des Deutschen Werkbundes legte Wagenfeld Wert auf die massentaugliche Produktion seiner Entwürfe. Nach seiner Bauhaus-Zeit experimentierte der Industriedesigner mit feuerfestem Glas in Jena und arbeitete unter anderem für die Porzellanmanufaktur Fürstenberg und die Firmen Rosenthal, WMF und Braun. Die im Jahr 1980 in Bremen gegründete Firma Tecnolumen stellt als einziges Unternehmen weltweit lizenzierte Repliken der Wagenfeld-Leuchte her.

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