Freitag, 18. Mai 2018

Vitra Roadshow „WORK on Tour” zu Gast in Bielefeld

Seit Anfang des Jahres ist Vitra mit der Roadshow „WORK on Tour“ deutschlandweit unterwegs und gibt Einblicke darin, wie das Potenzial des Büros richtig genutzt werden kann. Im Mittelpunkt der Veranstaltungsreihe steht die Erkenntnis, dass Einrichtung erst in Verbindung mit Unternehmenskultur, Mitarbeiterführung und Organisationsstruktur in einem kuratierten Raumkonzept zum Erfolgsfaktor wird. Im Rahmen dessen werden Vorträge präsentiert und Lösungen von Unternehmen für Unternehmen aufgezeigt. Vom 14. bis 17. Mai hat „WORK on Tour“ Halt im Bielefelder Ringlokschuppen gemacht. Bei einer gemeinsamen Abendveranstaltung mit pro office sind am Donnerstag zahlreiche Gäste der Einladung gefolgt, um sich im exklusiven Rahmen spannende Impulsvorträge dreier Referenten anzuhören. 

Den Auftakt machte Prof. Dr. Rüdiger Kabst, Ideengeber des Paderborner Innovationsfreiraums „garage33“ mit seinem Vortrag zum Thema „Disruption – Bedarf kreativer Arbeitsplätze am Beispiel der garage33“. Wie sieht die Zukunft aus? Mit dieser Frage richtete sich Kabst zu Beginn an die Teilnehmer und bat sie, sich 30 Sekunden lang mit geschlossenen Augen Gedanken darüber zu machen, wie ihre Abendgestaltung wohl im Jahr 2025 aussehen würde. Nicht überraschend waren die einzelnen Visionen der Gäste unterschiedlich, denn niemand kennt die Zukunft. Aufgrund dessen erfordere Wandel und Transformation in der Arbeitswelt ein hohes Maß an Überzeugungskraft. Die Menschen müssen abgeholt und für die Neuerungen begeistert werden. Dazu müssen Unternehmen jedoch auch bewegungsfähig sein. Oftmals sei zu beobachten, dass insbesondere Familienunternehmen risikoscheu sind und wenig Innovationsbereitschaft an den Tag legen. Solange es der Firma wirtschaftlich gut geht, werde häufig keine Notwendigkeit für Veränderungen gesehen. Doch genau hier lauere die Gefahr im Erfolg. Sich auf dem Erfolg auszuruhen, heißt Trends zu verpassen – anschaulich erklärt am Beispiel von Nokia. Sich anzupassen hieße jedoch nicht, sich ausschließlich am Wettbewerb zu orientieren und diesen nachzuahmen. Dieser Ratschlag sei in vielen Situationen, in denen sich die Branche ändert, zu kurz gegriffen, mahnte Kabst. Innovation heißt über den Tellerrand hinauszuschauen und mutig zu sein, auch dann, wenn man keinen Zuspruch von anderen erhält. Zuletzt erläuterte Kabst das Prinzip der Beidhändigkeit. Die eine Hand steht für das Kerngeschäft, dem die meisten Unternehmen 95% ihrer Aktivitäten widmen. Die andere Hand beschreibt die Disruption und die Bereitschaft, andere Wege zu gehen und Innovation zu wagen. Diese sei jedoch viel zu wenig gefordert und umfasse lediglich 5 % der Unternehmensaktivitäten. Im Paderborner Innovationsfreiraum garage33 werden Unternehmen genau hierzu ermutigt. Dafür müssen auch die räumlichen Gegebenheiten entsprechend gestaltet sein, weiß Kabst. Sie müssen die Menschen dazu inspirieren querzudenken, Regeln zu brechen und ihrem Alltag zu entfliehen. 

Diesen Ansatz teilte auch Jörg Rosenberger, systemisch arbeitender Berater und Coach von Führungskräften, Teams und Organisationen. In seinem Impulsvortrag zum Thema „New Work – Schöne, neue Welt?!“ widmete er sich vor allem der Beziehung zwischen Mensch und Organisation. Beide stünden heute vor Herausforderungen wie Komplexität, Digitalisierung oder Mitarbeiterzentrierung. Doch kompliziert ist nicht gleichbedeutend mit komplex. Umso wichtiger sei es, zwischen beiden Begriffen genau zu unterscheiden. Während komplizierte Sachverhalte durch mangelndes Wissen entstehen und heutzutage häufig durch den Einsatz entsprechender Software verringert werden können, sind komplexe Dinge durch Wissen nicht begründbar und nicht logisch zu erklären. Sie beschreiben den Faktor Mensch, dessen Verhalten durch keine Software zu erklären ist. Eine weitere Herausforderung, der sich Mensch und Organisation heutzutage stellen müssen, sei die Geschwindigkeit und Agilität. Damit ist die Fähigkeit gemeint, sich schnell auf Veränderungen einzustellen und diese umzusetzen. Eine Grundvoraussetzung, wenn es um den unternehmerischen Erfolg geht. Ebenso wie die Fähigkeit, Mitarbeiter zu motivieren. Der Mensch erwarte eine sinnstiftende Antwort auf die Frage „wozu mache ich das?“. Kann diese nicht in einem ausreichenden Maß gegeben werden, gehe die Motivation, Einsatzbereitschaft und Produktivität verloren. Studien haben gezeigt, dass Mitarbeiter vor allem dann motiviert sind, wenn ihnen die Möglichkeit gegeben wird, mitwirken zu können und so Veränderungsprozesse aktiv vorantreiben können. Dieses Konzept bedarf allerdings neuer Strukturen. Die kleinste Einheit sei nicht mehr länger eine Einzelperson, sondern ein Team. Und so werde auch aus einer einzelnen Führungskraft ein Team mit unterschiedlichen Kompetenzen, das gemeinsam Führungsarbeit leistet.

Den abschließenden Vortrag hielt an diesem Abend Sven Wehlmann von Vitra zum Thema „der analoge Ort in einer digitalen Welt“. Schon lange sind Büros nicht mehr nur simple Arbeitsstätten. Viel mehr sind sie heutzutage Orte der Begegnung, an denen Menschen zusammenkommen und gemeinsam kreativ und innovativ sein können. Die Auswahl der passenden Einrichtung ist hierbei ein entscheidender Faktor. Sie können die Kultur des Unternehmens unterstreichen und dazu beitragen, dass sich Mitarbeiter an ihren Arbeitsplätzen rundum wohlfühlen. Wehlmann lieferte spannende Ein- und Ausblicke in unterschiedliche Arbeitswelten. Viele Unternehmen, die die Welt maßgeblich verändert und geprägt haben, starteten ihr Business in einer Garage. Heute bringen innovative Unternehmen diesen „garage spirit“ wieder in ihre Büros zurück. So auch Vitra am Standort in Weil am Rhein. Doch auch der Gedanke, alle Räumlichkeiten möglichst smart miteinander zu verbinden, ist ein deutlicher Trend, der derzeit insbesondere in den Niederlanden schon stark gelebt werde. Auch das Teilen des Arbeitsplatzes sei dort bereits ein beliebtes Konzept, wenn es um die Umsetzung von flexiblen Arbeitsmodellen und modernen Büroumgebungen geht. Je nach Berufsgruppe sei ein Arbeitsplatz bis zu 61 % am Tag frei und ungenutzt. Warum seinen Schreibtisch also nicht für andere zur Verfügung stellen? Darüber hinaus ist die Gestaltung des Arbeitsplatzes auch im Hinblick auf das Thema „Social Recruiting“ von großer Bedeutung. Sich positiv von Wettbewerbern abzugrenzen, etwas anders machen, innovativ und mutig sein – auch bei der Gestaltung der Räumlichkeiten.

Wir bedanken uns bei Vitra für die Mitorganisation der Veranstaltung und bei allen Teilnehmern für einen rundum gelungenen Abend.

Fotos: © pro office

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