Mittwoch, 18. Oktober 2017

pro office Göttingen gestaltet Martinskirche zu Kassel

Die im gothischen Stil von 1364 – 1462 erbaute Martinskirche (auch St. Martin genannt) ist eine evangelische Pfarrkirche und Predigtstätte des Bischofs der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. 

Die dreischiffige Hallenkirche von 6 Jochen mit einem zweitürmigen Westbau wurde 1943 im britischen Bombenhagel stark zerstört und von 1954 - 1958 von dem Trier Architekten Heinrich Otto Vogel, in einer neuen Formensprache Ihrer zwei Türme, neu aufgebaut und das Kirchenschiff rekonstruiert. 

Seit dem ausgehenden Mittelalter ist St. Martin das kirchenmusikalische Zentrum der Stadt und der Region Kassel. Die 1502 gegründete Hofkapelle übernahm auch liturgische Aufgaben. Der bedeutende Kantor Klaus Martin Ziegler wirkte hier von 1960 bis zu seinem Tod 1993 und verhalf St. Martin zu einem Ruf eines national und international renommierten Zentrums für Neue Musik in der Kirche.

Von langer Hand geplant und bis zur Perfektion ausgearbeitet schmiegt sich die neue, von Rieger Orgelbau aus Österreich, erbaute Orgel in die Westempore und bietet dem Zuhörer Orgelgenuss von 4 Manualen mit 86 Registern auf denen über 5000 Pfeifen erklingen. 

Mit der Renovierung der Kirche und dem Neubau der Orgel waren auch die alten Kirchenbänke nicht mehr zeitgemäß, alles sollte multifunktionaler werden. Der "Bankcharakter" sollte weitestgehend, ebenso wie die Anzahl der Sitzplätze, erhalten bleiben. Die Stühle sollten auch einzeln nutzbar und unterschiedlich konfigurierbar sein. Nach umfangreicher mehrmonatiger Bemusterung durch die ev. Kirche, den Architekten und pro office Göttingen stand fest, dass es ein solches Produkt nicht gibt. Mit der Firma Thonet aus Frankenberg,  dem Architektenteam vom Büro Müntinga + Puy aus Bad Arolsen, hier federführend Herrn Dipl. Ing. Architekt Jürgen Schimmelpfeng und pro office Göttingen wurde für St. Martin ein fast neues Stuhlmodel entwickelt. Der überarbeitete Stuhl basiert auf dem Modell 471 von Thonet. Hier wurden sämtlichen Abmessungen verändert als auch eine spezielle Sitzpolsterung, Reihen- und Platznummerierung und sogar ein Blumenschmuckhalter entwickelt. Eine besondere Herausforderung stellte die gänzlich neu erdachte Konstruktion der Verbindungselemente. Diese sorgen nun für eine bankähnliche Anmutung der in Reihe gestellten Einzelstühle. 

Auf faszinierende Art und Weise zeigt die Martinskirche zu Kassel wie die nicht selten als gegensätzlich wahrgenommene Tradition und Moderne sich hier formschön zusammenfügen und zu einer Symbiose verschmelzen.