Montag, 15. September 2014

Legendäre Spiegel Kantine von Verner Panton

Foto: Michael Bernhardi, Spiegel Verlag, 2011 Fotos: Michael Bernhardi...

Das MKG - Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg hält etwas ganz Besonderes für Design-Liebhaber bereit: Die Spiegel-Kantine des Designers Verner Panton (1926-1998). Ein leuchtender, wunderbarer Augenschmaus.

Zu den besonderen Höhepunkten im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) zählt ganz sicher die Spiegel-Kantine. Damals wurde die Kantine im Verlagshaus des Spiegels benutzt. Heute gehört sie zu den Epochenräumen, den sogenannten Period Rooms im MKG - mit original getreuen Rauminstallationen - die Stile und Wohnkulturen vergangener Epochen und Meilensteine des modernen Designs erlebbar machen.

Einst Interieur Gestaltung für die Spiegel-Verlagsgruppe
1969 hatte der dänische Designer Verner Panton (1926-1998) das gesamte Interieur für die Spiegel-Verlagsgruppe gestaltet. Als der Spiegel 2011 ein neues Domizil in der Hafencity bezieht, geht die ehemalige Kantine als Schenkung in die Sammlung Design des MKG über. Die denkmalgeschützte Kantine besteht aus einem orangefarbenen, einem roten und einem violetten Speiseraum sowie einer Snackbar. Möbel, Vorhänge, Wand- und Deckenbekleidung sind ebenso wie die Lampen aufeinander abgestimmt und bilden eine Rauminstallation. Aus dem Ensemble der berühmten Spiegel-Kantine sind seit Herbst 2012 der orangefarbene Speiseraum und die Snackbar zu sehen. Als einziges Museum weltweit stellt das MKG damit eines der letzten erhaltenen Raumensembles des bedeutendsten Designers der Generation Pop vor.

Ein bedeutendes und nachhaltiges Zeitdokument
In Formensprache und Farbauswahl gibt der Raum dem Zeitgeschmack der späten 1960er Jahre Ausdruck und ermöglicht ein einzigartiges Raumerlebnis. Mit dem Umzug in das MKG wird die Spiegel-Kantine als einzigartiges Zeitdokument der 1960er Jahre zu einem musealen Objekt, das restauratorisch gepflegt und in seiner originalen Gestaltung erhalten wird. Die Einrichtung der Spiegel-Kantine wurde ermöglicht durch die großzügige Unterstützung des Spiegel-Verlags und mit Mitteln der Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg.

Geschichte der Spiegel-Kantine
1969 zog der Spiegel-Verlag in ein neues Gebäude an die Brandstwiete, das von dem renommierten Hamburger Architekten Werner Kallmorgen erbaut wurde. Da der Spiegel keine baulichen Veränderungen am bereits bestehenden Verlags-Gebäude in der Hamburger Brandstwiete vornehmen konnte, wollte man eine individuelle und außergewöhnliche Inneneinrichtung, die von einem renommierten Designer konzipiert werden sollte. Die Wahl fiel auf den Dänen Verner Panton, der damals vor allem für seine psychedelischen Innenräume bekannt war, die er mit neusten Materialien der Zeit umsetzte. Er schuf dreidimensionale Rauminstallationen, die in Form- und Farbgebung zur Mode und zum Zeitgeist der 1960er Jahre passten und durch Innovation und Modernität auffielen. Panton richtete 1969 das gesamte Verlagshaus des Spiegels in Hamburg mit einer eigens dafür geschaffenen Innenarchitektur ein. Als die Einrichtung in den 1980er und 1990er Jahren als nicht mehr zeitgemäß empfunden wurde, wurde die Einrichtung Pantons nach und nach abgebaut.

Hamburger Bürgerinitiativen ist es zu verdanken, dass die Kantine des Spiegel-Verlags, ein aus drei Räumen bestehendes Ensemble, 1998 unter Denkmalschutz gestellt wurde und im Wesentlichen erhalten geblieben ist.

Katalog: Zur Spiegel-Kantine ist ein umfangreicher Katalog erschienen: „Verner Panton. Die Spiegel-Kantine“, Hrsg. Sabine Schulze und Ina Grätz, Texte von Claudia Banz, Heinz Egleder, Ina Grätz, Julide Kurtulus, Mathias Remmele, Manfred Sack, Mathias Schreiber, Sabine Schulze und Finn Warncke, Deutsch, 2012, 128 Seiten, ca. 95 farbige Abb., gebunden, 29,80 Euro.

Eine Reise - besser gesagt diese besondere Zeitreise - nach Hamburg ins MKG lohnt sich.

Fotos: Michael Bernhardi, Spiegel Verlag, 2011

Die Verwendung und Veröffentlichung der Fotos auf dieser Seite findet mit freundlicher Genehmigung des MKG - Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg statt.

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